Riester-Rente: Lohnt sich der Vertrag noch für Sie

Die Riester-Rente lohnt sich vor allem für Familien und Geringverdiener, da hohe Kosten und schwache Renditen Normalverdiener oft benachteiligen.

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Wer in Deutschland über seine Altersvorsorge nachdenkt, stößt früher oder später auf die Riester-Rente, ein staatlich gefördertes Sparmodell, das seit über zwei Jahrzehnten kontrovers diskutiert wird.

Auf der einen Seite stehen Zulagen und Steuervorteile, auf der anderen Seite hohe Produktkosten und oft enttäuschende Renditen. Die öffentliche Debatte ist laut, aber für die persönliche Entscheidung oft wenig hilfreich.

Ob sich das Modell noch lohnt, hängt von drei entscheidenden Faktoren ab: dem eigenen Einkommen, der Familiensituation und dem Verhältnis zwischen staatlicher Förderung und den Vertragskosten. Wer diese Größen nicht prüft, trifft keine fundierte Entscheidung, sondern folgt lediglich pauschalen Meinungen.

Dieser Artikel analysiert, für welche Personengruppen sich die Riester-Rente heute noch rechnet, warum die Kostenstruktur so entscheidend ist und wann das Stilllegen oder Wechseln eines Vertrags die bessere Wahl sein kann.

Durchsichtiges Glas mit Münzen und einem kleinen grünen Keimling darauf auf einem Schreibtisch, Riester-Rente.

Was die Riester-Rente im Kern leistet, und was nicht

Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente durch private Vorsorge zu ergänzen.

Das Grundprinzip ist einfach: Sparer zahlen Beiträge ein, der Staat gewährt eine jährliche Grundzulage von 175 Euro, und für Kinder kommen weitere Zulagen hinzu. Für Kinder, die ab 2008 geboren wurden, sind es 300 Euro pro Jahr, für ältere Kinder 185 Euro.

Zusätzlich können die Beiträge bis zu einem Höchstbetrag von 2.100 Euro jährlich als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Steuervorteil höher ist als die Zulagen, und erstattet die Differenz. Für Besserverdiener kann dies mehrere Hundert Euro pro Jahr ausmachen.

Allerdings führt das Modell im Durchschnitt zu bescheidenen Auszahlungen. Laut Statistik erhalten Riester-Sparer im Schnitt nur rund 132 Euro monatlich als Zusatzrente, die zudem noch versteuert werden muss. Für viele Vertragsinhaber ist das deutlich weniger als erwartet.

Warum die Beitragsgarantie die Rendite strukturell begrenzt

Ein zentrales Merkmal jedes Riester-Vertrags ist die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie: Zu Rentenbeginn müssen mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen. Was wie ein Sicherheitsnetz klingt, ist jedoch der Hauptgrund für die schwachen Renditen.

Diese Garantie zwingt die Anbieter, das Kapital sehr konservativ anzulegen. Selbst bei fondsgebundenen Verträgen wird oft nur ein kleiner Teil in renditestarke Aktien oder ETFs investiert. Fondsgebundene Riester-Varianten bieten zwar das höchste Renditepotenzial, erreichen aber selbst unter guten Marktbedingungen im Schnitt nur fünf bis sechs Prozent pro Jahr.

Für wen sich die Riester-Rente heute noch rechnet

Die Rentabilität eines Vertrags hängt direkt vom Verhältnis zwischen staatlicher Förderung und eigenem Beitrag ab. Diese Förderquote ist das entscheidende Kriterium, nicht die absolute Höhe der Zulage.

Es zeigt sich ein klares Muster: Je niedriger das Einkommen und je mehr Kinder, desto vorteilhafter ist das Modell. Ein Geringverdiener mit zwei Kindern, der nur den Mindestbeitrag von 60 Euro jährlich zahlt, erhält 775 Euro an Zulagen, was einer Förderquote von über 1.200 % entspricht. In solchen Fällen gleicht die Förderung selbst hohe Produktkosten aus.

Folgende Personengruppen profitieren im aktuellen System am stärksten:

  • Familien mit mehreren Kindern, die ab 2008 geboren wurden, wegen der hohen Kinderzulagen
  • Geringverdiener, deren Eigenanteil durch Zulagen fast vollständig abgedeckt wird
  • Gutverdiener mit einem hohen Grenzsteuersatz wegen des Sonderausgabenabzugs
  • Inhaber älterer Versicherungsverträge mit noch hohem Garantiezins
  • Berufseinsteiger unter 25 Jahren, die einmalig 200 Euro Startbonus erhalten

Dagegen ist die Förderquote für kinderlose Singles mit mittlerem Einkommen am niedrigsten. Sie erhalten nur die Grundzulage von 175 Euro, ein Betrag, der von hohen Vertragskosten oft vollständig aufgezehrt wird.

Rechenbeispiel: Förderquote im Vergleich

Die folgende Tabelle veranschaulicht, wie unterschiedlich die Förderquote je nach Lebenssituation ausfällt – bei einem identischen Bruttojahreseinkommen von 35.000 Euro:

PersonenprofilEigenbeitrag/JahrStaatliche Zulage/JahrFörderquote
Single, keine Kinder1.225 €175 €~14 %
Elternteil, 2 Kinder (ab 2008)625 €775 €~124 %
Geringverdiener, 3 Kinder (ab 2008)60 € (Mindestbeitrag)1.075 €>1.700 %
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Kosten als unterschätzter Hauptfaktor

Selbst eine hohe Förderquote nützt wenig, wenn die Produktkosten einen Großteil des Kapitals aufzehren. Hier liegt das zentrale Problem vieler Verträge, das von Sparern oft unterschätzt wird.

Analysen zeigen, dass bei klassischen Riester-Rentenversicherungen durchschnittlich 35 bis 45 Prozent der Beiträge für Kosten anfallen, bevor auch nur ein Euro für die Altersvorsorge arbeitet. Diese umfassen Abschluss-, Verwaltungs- und weitere Gebühren.

Hohe Kosten schmälern die Rendite erheblich: Eine jährliche Kostenbelastung von 1,5 Prozent kann das Endkapital über 30 Jahre um mehr als 25.000 Euro reduzieren. Seit 2017 müssen Anbieter im Produktinformationsblatt alle Kosten transparent ausweisen. Liegt die dort angegebene Effektivkostenquote über 1,5 Prozent, sollte ein Anbieterwechsel geprüft werden.

Günstige, fondsgebundene Riester-Sparpläne mit Gesamtkosten unter 0,5 Prozent können eine deutlich bessere Wertentwicklung erzielen. Banksparpläne als Riester-Variante sind mittlerweile nicht mehr verfügbar, was die Auswahl an Produkten einschränkt.

Bestehenden Vertrag stilllegen, wechseln oder kündigen?

Wer feststellt, dass der eigene Vertrag unrentabel ist, sollte die verschiedenen Optionen kennen. Die Konsequenzen von Stilllegung, Wechsel oder Kündigung sind erheblich.

Beitragsfreistellung als risikoarme Option

Die Beitragsfreistellung ist meist die sinnvollste Option bei einem unrentablen Vertrag. Dabei werden die Einzahlungen gestoppt, das Guthaben und die erhaltenen Zulagen bleiben jedoch erhalten. Ein formloses Schreiben an den Anbieter genügt, um den Vertrag stillzulegen.

Zu beachten ist jedoch, dass laufende Verwaltungskosten das Guthaben auch bei einem ruhenden Vertrag schmälern. Außerdem entfallen zukünftige Zulagen, sofern nicht mindestens der Sockelbeitrag von 60 Euro pro Jahr eingezahlt wird. Das Kapital bleibt aber weiterhin für Wohnzwecke, wie den Kauf einer Immobilie, verfügbar.

Kündigung: die Ultima Ratio

Eine Kündigung sollte die letzte Option sein, da alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen. Zusätzlich fallen Steuern auf Erträge und oft hohe Stornokosten an, die den Rückkaufswert erheblich mindern.

Das Verbraucherschutz Institut Deutschland empfiehlt daher, vor einer Kündigung immer Alternativen wie die Beitragsfreistellung oder einen Anbieterwechsel zu prüfen.

Die Reform ab 2027 und ihre Bedeutung für bestehende Verträge

Ab 2027 soll das bisherige Modell durch ein neues Altersvorsorgedepot ersetzt werden. Geplant sind der Wegfall der starren Beitragsgarantie, ein Kostendeckel und die Möglichkeit, Kapital vollständig in ETFs anzulegen. Damit würde das Kernproblem des alten Systems, die erzwungene konservative Anlage, behoben.

Bestehende Verträge sollen weiterlaufen und voraussichtlich in das neue System überführt werden können. Wer aktuell über einen Neuabschluss nachdenkt, sollte diese kommende Reform berücksichtigen, da die Konditionen der neuen Produkte deutlich attraktiver sein dürften.

Letztendlich bleibt die Entscheidung für oder gegen die Riester-Rente eine individuelle Abwägung. Während Geringverdiener und Familien mit Kindern oft stark von den Zulagen profitieren, ist das Modell für kinderlose Normalverdiener aufgrund hoher Kosten häufig unrentabel.

Eine genaue Prüfung der persönlichen Förderquote und der Vertragskosten ist daher unerlässlich, um eine fundierte Entscheidung für die eigene Altersvorsorge zu treffen.

Schauen Sie sich dieses Video an, das genau zum Thema passt.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Riester-Rente für Geringverdiener?

Geringverdiener profitieren erheblich von der Riester-Rente, da ihre Eigenbeiträge oft durch hohe staatliche Zulagen nahezu vollständig abgedeckt werden, was ihre Förderquote stark erhöht.

Welche steuerlichen Vorteile bietet die Riester-Rente?

Neben den direkten Zuschüssen können Riester-Sparer ihre Beiträge bis zu 2.100 Euro pro Jahr als Sonderausgaben absetzen, was vor allem Besserverdienern mit hohem Steuersatz zugutekommt.

Wann lohnt sich ein Wechsel des Riester-Vertrags?

Ein Wechsel des Riester-Vertrags lohnt sich, wenn die Produktkosten über dem Marktstandard liegen, insbesondere wenn die Effektivkostenquote über 1,5 Prozent beträgt.

Was passiert mit meinem Riester-Kapital bei Beitragsfreistellung?

Bei der Beitragsfreistellung bleibt das angesparte Kapital erhalten, jedoch fallen weiterhin Verwaltungskosten an, und die Grundzulage entfällt, wenn kein Mindestbeitrag geleistet wird.

Wie verändert die Reform ab 2027 die Riester-Rente?

Die Reform ab 2027 plant den Wegfall der starren Beitragsgarantie und eine Kostenobergrenze, was eine flexiblere und renditestärkere Anlage in ETFs ermöglichen soll.
Eric Krause

Eric Krause


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